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21.08.2018

Schadstoffbelastung in städtischen Gebäuden: Entwarnung im Sudetenland - Stadtsporthalle muss angegangen werden

Für die energetische Sanierung der Stadtsporthalle ist das Gebäude auf den gesundheitsgefährdenden Weichmacher PCB untersucht worden. Jetzt wurde auch das Sudetenland unter die Lupe genommen – mit beruhigenden Erkenntnissen.

Die Stadtsporthalle, einst ein moderner Bau in herausragender Konstruktionsweise, ist in die Jahre gekommen. Ihrer Entstehungszeit Anfang der 1970er Jahre geschuldet ist das Gebäude konstruktiv zwar innovativ, energetisch jedoch trotz der runden Form alles andere als günstig. Zwar ist mehrfach nachgebessert worden, ein Konzept, das sowohl die Wärmeerzeugung wie auch den Strom- und Wärmeverbrauch berücksichtigte, gab es dabei aber nicht.

Das sollte sich 2016 ändern als über die Soziale Stadt die energetische Sanierung der Stadtsporthalle beantragt wurde. Eine Bewilligung erfordert die Einhaltung der Energieeinsparverordnung (kurz EnEV), sodass neben der Dämmung auch die Wärmeerzeugung verbessert werden musste. Bei den Planungen wurde am Rande auch die Frage nach Schadstoffen gestellt. Eine Untersuchung lieferte dann das ernüchternde Ergebnis, dass eine nicht unerhebliche Belastung mit dem Weichmacher PCB (polychlorierte Biphenyle) vorliegt. PCB hält Fugenmaterialien auch über lange Zeiträume elastisch und wurde daher in den 1970er Jahren vielfach verwendet. So auch in der Fassade der Stadtsporthalle.

Die Chemikalie bleibt allerdings nicht in den ursprünglichen Materialien sondern zieht in die angrenzenden Stoffe – neben Betonplatten auch in die Raumluft. Dort wird sie vom Menschen aufgenommen und kann bei hoher Konzentration oder wenn Personen sich lange in den Räumen aufhalten, Gesundheitsschäden verursachen. Ab einer Konzentration von 300 ng/m³ Raumluft besteht Handlungsbedarf, allerdings erst ab dem zehnfachen Wert akute Gefahr, sodass ein Nutzungsverbot ausgesprochen werden muss. In der Stadtsporthalle wurden Werte zwischen 541 ng/m³ und 2.230 ng/m³ gemessen. In dem etwas erhöhten Krafttrainingsbereich lag der Wert bei 1.606 ng/m³, am höchsten war er in einer der Lehrerumkleidekabinen.

Aufgrund der Messergebnisse sollte die Sanierung zügig weiterverfolgt werden, allerdings zeichneten sich nun auch Probleme mit dem Brandschutz ab, die eine Sanierung unwirtschaftlich machen könnten. Im Ausschuss für Stadtentwicklung am 04.09.2018 soll beraten werden, wie hier weiter verfahren werden soll. Der im Gutachten dargelegten Anforderung, mittelfristig tätig zu werden, genügt dies aber.

Die Tatsache, dass in einem städtischen Gebäude Schadstoffe vorgefunden wurden, nimmt die Stadt zum Anlass, auch weitere Gebäude zu überprüfen. So wurde exemplarisch in der ehemaligen Muna-Halle Sudetenland in der Kantstraße die Raumluft sowohl auf PCB wie auch auf polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersucht, die unter anderem in teerhaltigen Materialien wie Dachpappe vorkommen.

Für beide Schadstoffe wurde festgestellt, dass es keinen Anlass zur Sorge gibt. Für PCB wurden im Sudetenland 24-27 ng/m³ festgestellt. Bei den PAK liegt der Vorsorgewert, ab dem die Stadt tätig werden müsste, bei 10 Mikrogramm/m³. Gemessen wurden 0,5-0,7 Mikrogramm/m³. Die sehr geringen Werte werden im Gutachten als „im unteren Schwankungsbereich von Hintergrundkonzentrationen im Innenraum“ bezeichnet. Für Innenräume sind sie also niedrig und stellen bei Weitem keine Gesundheitsgefahr dar.