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27.09.2019

Insektenschutz durch Blumenwiesen statt Rasen

Espelkamp. Noch blüht nur der „Schnellbegrüner“. Aber schon im nächsten Jahr soll es auf den drei innerstädtischen Flächen, die von der Stadt als Blumenwiesen angelegt worden sind, bunt werden.

Schon früh wurden die Flächen für die ersten Blumenwiesen in der Stadt ausgesucht. Die Rasenflächen an den Einmündungen Bussardweg und Spechtstraße sowie die Obstwiese Karlsbader Straße sollten in Blumenwiesen umgewandelt werden. Insgesamt eine Fläche von 4000 Quadratmetern. Damit dies auch möglichst dauerhaft erfolgreich ist, mussten Lösungen für die Umsetzung im kommunalen Pflegebetrieb gefunden werden. Vieles läuft dabei anders als bei der „normalen“ öffentlichen Grünfläche.

So ist es für den Erfolg einer Blumenwiese sehr wichtig den Standort vorzubereiten. Die meisten Flächen sind für die Ansaat zu „fett“. Das heißt, die Böden enthalten zu viele Nährstoffe für die zumeist auf magere Standorte spezialisierten gewünschten Wildblumen. Dann muss der Boden für den Erfolg vorher abgemagert werden, oder es setzen sich sehr schnell wieder die Gräser durch. Zudem sollte auch das Schnittgut nach dem Mähen von den Flächen entfernt werden. Besonders dafür sind die kommunalen Betriebe nicht mit den entsprechenden Pflegegeräten ausgestattet.

In den letzten Monaten fand ein reger Austausch mit umliegenden Kommunen und Fachleuten statt. Durch diese Informationen wurde die Umsetzung der eigenen Maßnahmen immer konkreter. So wurde bewusst die Entscheidung für eine Herbstsaat getroffen. Dadurch wird das Risiko des Totalausfalls der Ansaat durch lange trockene Sommer verringert. Für die Umsetzung der Maßnahmen konnte ein Lohnunterneh-men aus der näheren Umgebung gefunden werden, das passende Maschinen sowohl für die Ansaat als auch für die Pflege vorhält. In enger Abstimmung mit dem Unternehmen wurde der richtige Zeitpunkt für die Vorarbeiten und die Ansaat festgelegt.

Immer im Auge hatten die Mitarbeiter dabei besonders die Niederschlagsvorhersagen. Die Flächen wurden im Vorfeld bereits sehr kurz abgemäht und durch Aufreißen der Grasnarbe der Rasen rein mechanisch zurückgedrängt. So haben die Wildblumen eine bessere Chance sich gegen die Bestandsgräser durchzusetzen. Die Flächen sahen daher in der Phase entsprechend trocken und wild aus. Mitte August kündigten sich dann endlich nennenswerte Niederschlagsmengen an. Nun konnte mit der Aussaat begonnen werden.

Als Saatgut wurden gebietsheimische Wildblumen und Wildgräser aus dem Nordwestdeutschen Tiefland verwendet. Je nach Standort bzw. vorhandenem Bewuchs wurde die Zusammensetzung noch individuell angepasst. Um eine schnelle Deckung der Fläche zu erreichen und somit das Aufkommen von unerwünschten Gräsern zu unterdrücken, wurde ein Schnellbegrüner beigemischt. Dieser wird nach sechs bis acht Wochen, wenn die Blumen gekeimt und schon gewachsen sind, abgemäht. So wird das Wachstum der Wildblumen weiter gefördert.

Im nächsten Frühjahr haben die Blumen dann die besten Voraussetzungen zum Wachsen und so ein reiches Angebot für die Insekten in der Innenstadt zu bieten.Sollten die Maßnahmen erfolgreich sein, ist geplant weitere Flächen entsprechend umzuwandeln oder bei Neuanlagen von extensiven Grünflächen direkt Blumenwiesen Regiosaatgut zu verwenden.